
Die "Griese Gegend" liegt im Südwesten von Mecklenburg und wurde über die Jahrhunderte als Flußlandschaft im Urstromtal der Elbe
geformt. Früher einmal war die Region zwischen Elbe, Elde und Rögnitz tatsächlich "griese".
Die heute üppige Vegetation wurde von Menschenhand in der kargen, sandigen "griesen"
Landschaft angelegt. Der schmutzig graue Sand und die wohl ebenfalls meist eher schmutzigen und grauen Gewänder der hart arbeitenden Bevölkerung
sorgten für die Namensgebung: Griese Gegend.
Der Sand in dieser Region stammt aus den Schmelzablagerungen der letzten Eiszeit. Noch heute finden sich riesige Binnendünen in der Griesen Gegend,
die diesen Ursand vor sich her treiben.
In Klein-Schmölen kann man beispielsweise die größte Binnendüne Europas "erwandern".
Doch griese ist diese Region in Mecklenburg schon lange nicht mehr. Längst hat sie sich in eine nahezu einzigartige Naturidylle verwandelt,
in der sich FFH Gebiete (Fauna=Tiere, Flora=Pflanzen, Habitat=Lebensraum) an Naturparks, Biosphärenreservate an Vogel- und Landschaftsschutzgebiete reihen.
Die Griese Gegend - wo liegt sie? (von Jürgen Borchert)
Selbst der beste Kenner dieser Landschaft, der Schriftsteller Johannes Gillhoff (1861-1930), der in dem Dörfchen Glaisin bei Ludwigslust geboren wurde,
konnte diese Frage nur mit einem "ungefähr" beantworten. Dennoch soll er zitiert werden, denn wirklich keiner weiß es besser als er: "Die Griese Gegend
erstreckt sich ungefähr zwischen Elbe und Berlin-Hamburger Bahn. Sie liegt da, wo das Jungvolk nicht gleich zum Kadi läuft. Meinungsverschiedenheiten
werden im vereinfachten Verfahren beglichen: ein paar Backenzähne, ein paar Rippen geraten in Unordnung- das ist alles. Nun wissen wir ungefähr,
wo die Griese Gegend liegt."
Fiek'n hätt schräb'n ut Hagenow...
Die beste Art und Weise eine Landschaft zu verstehen ist es, die neuen und alten
Geschichten anzuhören, die sich die Einheimischen
erzählen. Kuno Karls (1938) und Ernst Schneider (1907-1987)
haben 1970 begonnen, diese Geschichten zu sammeln. 1982 brachten sie
das erste Heft der Reihe „Fiek´n hätt schräb´n ut
Hagenow” heraus. Bis zur Wende war es gar nicht so einfach die
„Wahrheiten” der „normalen” Leute aufzuschreiben und so mußte
manch eine Geschichte auf ihren Platz in den nunmehr 10 Heften warten.
Auch wenn es dem einen oder anderen nicht Norddeutschen am Anfang
vielleicht etwas schwer fällt, die in Platt geschriebenen
Geschichten zu lesen, dauert es nicht lange und die Faszination der
alltäglichen (Miß-)Geschicke läßt
ihn nicht mehr los. Durch den ganz besonderen Charme und Witz sind die
Fiek´n-Hefte die wohl amüsanteste Art, etwas über die
Griese-Gegend zu erfahren.